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Was tun, wenn Bauland knapp ist?

Im politischen Diskurs werden schnell einmal vermeintlich einfache Lösungen präsentiert. Unlängst forderte eine Partei gar ein Verbot für den Bau von Einfamilienhäusern bei Flächenknappheit.

Einfamilienhäuser nähmen im Verhältnis zu der erzielten Wohnfläche viel zu viel Grundstücksfläche in Anspruch. Einparteienhäuser verbrauchen viel Fläche, viele Baustoffe und viel Energie, so der Vor-wurf. Sie sorgten für Zersiedelung und damit auch für noch mehr Verkehr. Zudem sei der Flächenverbrauch in Deutschland, auch durch den regen Bau von Einfamilienhäusern, zu hoch. Tatsächlich haben SPD und Die Grünen bereits in zwei Stadtteilen Hamburgs (Fuhlsbüttel und Langenhorn) den Bau von Einfamilienhäusern verboten, weil diese energetisch ineffizient seien und viel Fläche verbrauchen würden

Einfamilienhäuser sind beliebt
Das Problem ist nur: Die meisten Menschen wollen in einem Einfamilienhaus wohnen. Sage und schreibe 84 Prozent der Menschen in Deutschland möchten laut einer Umfrage des Meinungs-forschungsinstituts Civey in den eigenen vier Wänden leben, ein Großteil davon im Einfamilienhaus. Diese Wünsche lassen sich nicht einfach negieren und müssen erfüllbar sein. Zumal, durch den Trend zum Home Office, der im Übrigen auch Verkehr einspart, werden zusätzliche Flächen in den Wohnungen und Häusern benötigt.

Anstieg der Wohnfläche
Die Wohnfläche je Einwohner steigt seit Jahrzenten in Deutschland kontinuierlich. 1991 betrug sie noch 34,9 Quadratmeter, 1999 waren es bereits 39 Quadratmeter und 2019 beanspruchte eine Person in Deutschland 47 Quadratmeter (Quelle: Statista 2021). Dies liegt auch im Trend zunehmender Einpersonenhaushalte, die von 33,6 Prozent im Jahr 1991 auf 41,9 Prozent im Jahr 2018 gestiegen sind. Für 2040 erwartet das Statistische Bundesamt eine Quote von 45,3 Prozent (Quelle: Destatis, 2021).

Verkehrssituation
Zudem stellt sich gerade beim Thema Verkehr die Verdrängung von Einfamilienhäusern aus den Großstädten als Problem dar. Schließlich sind bis zu 41 Prozent der Bewohner von Städten bereit, 20 bis 60 Minuten für die Anreise ins Stadtzentrum oder der nächst­gelegenen Großstadt in Kauf zu nehmen, um im Eigentum zu wohnen.

Sind Einfamilienhäuser denn wirklich ein so großes Problem?
Die Antwort ist ein klares Nein. In der gesamten Bautätigkeit nehmen die Einfamilienhäuser einen zunehmend geringeren Anteil ein. 2019 wurden 40 Prozent der insgesamt rund 256.000 fertiggestellten Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern errichtet. Die Mehrzahl waren also Mehrfamilienhäuser. Zum Vergleich: 1999 wurden 178.000 Einfamilienhäuser gebaut, 2019 waren es mit 83.800 nicht einmal halb so viele (Quelle: Destatis 2021).

Welche Lösungen gibt es außer einem Verbot von Einfamilienhäusern?
Der Wunsch vieler Bürger, im Einfamilienhaus zu leben, ist ungebrochen. Darauf mit einem Bauverbot zu reagieren ist falsch und würde an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen. Intelligenter wäre es, dem Wunsch nach Einfamilienhäusern und dem Trend zu immer mehr Wohnfläche mit kreativen Wohnkonzepten zu begegnen.
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In die Höhe bauen
Einfamilienhäuser könnten in die Höhe wachsen. Dadurch sinkt der Flächenverbrauch und die Wohnwünsche der Menschen könnten trotzdem Erfüllung gehen. Barrierefreiheit entsteht durch direkt mit eingeplante Miniaufzüge. Das typische Einfamilienhaus muss nicht wie in der Vergangenheit nur aus dem Erdgeschoss und einem möglicherweise ausgebauten Dachgeschoss bestehen. Vielmehr sind Einfamilienhäuser möglich, die drei Geschosse oder zwei Geschosse mit Staffelgeschoss haben. Dadurch wird der Flächenverbrauch gesenkt und die Bauform kompakter, sodass sich auch Energiesparziele besser erreichen lassen.

Innovatives Mobiliar
Ebenso kann die geschickte Möblierung des Wohnraums helfen, Platz einzusparen und dem zunehmenden Wohnflächenbedarf pro Person entgegen zu wirken. So gibt es inzwischen qualitativ hochwertige Multifunktionsmöbel, die sich beispielsweise mit ein paar Handgriffen von einem Schreibtisch in ein Bett verwandeln lassen. Oder verschiebbare Schrankwände, die auf der einen Seite Kleiderschrank und auf der anderen Seite Schreibtisch sind. Hinter einer verschiebbaren Wohnzimmerschrankwand kann sich auch eine Küche verbergen.

Flexiblere Modelle
Zudem müssen Wohnungsgrundrisse flexibler gestaltet werden, um dem unterschiedlichen Wohnbedarf der Bewohner eines Mehrfamilienhauses gerecht zu werden. Und natürlich muss der zunehmende Leerstand von Wohnungen in ländlichen Gebieten durch eine bessere Infrastruktur vor Ort bekämpft werden. Schließlich stehen zwei Millionen Wohnungen in Deutschland leer. Das Problem: Sie befinden sich meist nicht an der richtigen Stelle. Die Wohnungsnachfrage sollte gleichmäßiger verteilt werden. Der kontinuierliche Zuzug in die Großstadt ist kein Naturgesetz mehr, wenn abseits der Metropolen attraktive und bedarfsgerechte Angebote entstehen.
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